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Goldener Bär für Asghar Farhadi
Kulturszene

Goldener Bär für Asghar Farhadi

Die Berlinale 2011 ist zu Ende. Die Entscheidung der Jury für Asghar Farhadis iranischen Film „Nader and Simin, a separation“ ist ästhetisch einleuchtend und Symbolpolitik zugleich. Im Ganzen war der diesjährige Wettbewerb allerdings schwach.

 

 

Von Peter Körte

Quelle: faz.net

 

Das ist der Sieger: Der iranische Regisseur Asghar Farhadi erhielt den Goldenen Bären für den Film "Nader and Simin, a Separation"

19. Februar 2011 Nun hat das Gesetz der Serie doch mal versagt. Der iranische Wettbewerbsbeitrag „Nader and Simin, a separation“ von Asghar Farhadi hat den Goldenen Bären gewonnen - obwohl die Jury normalerweise gerade nicht jenen Film prämiert, den Medienvertreter und Gerüchtemacher während des Festivals zum Favoriten ausgerufen haben. Zugleich wurden auch das weibliche wie das männliche Darstellerensemble von „Nadar and Simin“ jeweils mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet.

 

 

Es ist eine ästhetisch einleuchtende und vor allem auch eine politisch-symbolische Entscheidung, nachdem der in die Jury eingeladene iranische Regisseur Jafar Panahi vom Regime in Teheran zu sechs Jahren Haft und zwanzig Jahren Berufsverbot verurteilt worden war. Panahis Jurorenstuhl war während des gesamten Festivals demonstrativ leer geblieben; bei der Eröffnung des Festivals am Donnerstag der vergangenen Woche hatte Jurypräsidentin Isabella Rossellini einen bewegenden Brief des Regisseurs verlesen. So schloss sich am Samstagabend gewissermaßen der Kreis.

 

Solidarität mit dem inhaftierten Panahi

Farhadis Film erzählt von einer mittelständischen Familie in Teheran. Die Frau will sich scheiden lassen, weil der Mann wegen seines demenzkranken Vaters nicht ausreisen möchte. Es geht um Schuld, moralische Verantwortung und Gerechtigkeit, aber auch um soziale Differenzen und unterschiedliche religiöse Bindungen.

 

Dass, wie einige besonders kritische Kritiker meinten, die Freigabe des Films durch die iranischen Zensoren ein Beleg für Farhadis Angepasstheit sei, darf man wohl kaum ernst nehmen. Der 38 Jahre alte Farhadi hatte sich in einem Interview in Berlin solidarisch mit seinem Freund Panahi erklärt und, aufs Verhältnis zur Zensur angesprochen, ironisch gesagt, iranische Filmemacher müssten eben „ein bisschen cleverer sein als andere Regisseure“.

 

Nach dieser Entscheidung war es auch zu verkraften, dass bei den weiteren Preisen, die nach einem aufs Neue sehr schwachen Wettbewerbsprogramm vergeben wurden, das Gießkannenprinzip regierte. Den großen Preis der Jury erhielt der Ungar Béla Tarr für seinen Film „The Turin Horse“, ein düsteres Endzeit-Exerzitium in Schwarz-Weiß über einen Bauern, seine Tochter und ein Pferd . Tarr hatte bereits vor der Berlinale angekündigt, dies werde sein letzter Film sein - weshalb man die Ehrung auch als Würdigung eines Lebenswerks betrachten muss.

 

Auch die beiden deutschen Beiträge im Wettbewerb gingen nicht leer aus. Ulrich Köhler wurde für „Schlafkrankheit“, die elliptisch erzählte Geschichte eines deutschen Entwicklungshelfers in Kamerun, mit dem silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet

 

Vorgeschichte der RAF, Blutrache in Albanien

Und Andres Veiel erhielt für „Wer wenn nicht wir“ den Alfred-Bauer-Preis, der, wie es offiziell heißt, an einen Spielfilm vergeben wird, „der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet“. Der Dokumentarist Veiel zeigt in seinem ersten Spielfilm die Vorgeschichte der RAF, basierend auf dem Buch „Vester, Ensslin, Baader“ von Gerd Koenen.

 

Weitere silberne Bären gingen an Joshua Marston und Andamion Murataj für das Drehbuch zu „The Forgiveness of Blood“, der von einer Blutrachefehde in Albanien handelt. Für eine herausragende künstlerische Leistung wurden ex aequo Wojciech Staron (Kamera in „El Premio“) und Barbara Enriquez (Szenenbild in „El Premio“) mit einem Bären in Silber ausgezeichnet.

 

Den Preis für den besten Erstlingsfilm bekam „On the Ice“ von Andrew Okpeaha MacLean, der in der Festivalsektion „Generation“ gezeigt wurde. Auf die Bühne des Berlinale-Palast durften am Abend diesmal auch die Preisträger der „Berlinale Shorts“, die beide aus Korea kamen. Der Bär in Gold entfiel auf „Paranmanjang“ von Park Chan-wook und Park Chan-kyong, Silber auf „Pu-Seo-Jin Bam“ von Pu-Seo-Jin Bam.

Die 61. Berlinale, die trotz eines gestrafften Wettbewerbsprogramms überwiegend enttäuschte, ging nach der Preisgala mit der Vorführung des Siegerfilms „Nadar and Simin“ zuende. Schon am Abend zuvor aber hatte Armin Mueller-Stahl für sein Kino-Lebenswerk den Ehrenbären erhalten

.

Die Preise in der Übersicht:

Goldener Bär: „Nadar and Simin, a separation“ von Asghar Farhadi

Silberner Bär für die beste Darstellerin: Das weibliche Ensemble in „Nadar and Simin“

Silberner Bär für den besten Darsteller: Das männliche Ensemble in „Nadar and Simin“

Silberner Bär für die beste Regie: Ulrich Köhler für „Schlafkrankheit“

Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung: Wojciech Staron für die Kamera und Barbara Enriquez für das Szenenbild in „El Premio“

Silberner Bär für das beste Drehbuch: Joshua Marston und Andamion Murataj für „The Forgiveness of Blood“

Großer Preis der Jury: „The Turin Horse“ von Béla Tarr

Alfred-Bauer-Preis: „Wer wenn nicht wir“ von Andres Veiel

Preis für den besten Erstlingsfilm: „On the Ice“ von Andrew Okpeaha MacLean (in der Festivalsektion „Generation“)

Goldener Bär für den besten Kurzfilm: „Paranmanjang“ von Park Chan-wook und Park Chan-kyong

Silberner Bär für den besten Kurzfilm: „Pu-Seo-Jin Bam“ von Pu-Seo-Jin Bam

Goldener Ehrenbär für das Lebenswerk: Armin Mueller-Stahl

Bildmaterial: AFP, dapd, dpa, REUTERS
 
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