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Tag gegen Gewalt an Frauen
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Tag gegen Gewalt an Frauen

Alljährlich am 25. November findet der von den Vereinten Nationen deklarierte Internationale Tag zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen statt. Hintergrund für die Entstehung des Aktionstags war die Verschleppung, Vergewaltigung und Ermordung von drei Frauen im Jahr 1960 in der Dominikanischen Republik durch Soldaten des ehemaligen Diktators Trujillo. Seit dem 25. November 1981 wird weltweit durch Aktionen, Veranstaltungen und Tagungen von Frauenprojekten und Initiativen, aber auch von staatlicher Seite zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Kinder aufgerufen. Die Senatsverwaltung für Frauen des Berliner Senats macht alljährlich mit gezielten Fachveranstaltungen auf den Aktionstag aufmerksam.


Zur Geschichte des Aktionstages

Am 25. November 1960 wurden drei der vier Schwestern Mirabal, Patria, Minerva und Maria Teresa, vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik nach monatelanger Folter ermordet. Ihre Untergrundaktivitäten gegen die brutale Trujillo-Diktatur, unter der die Dominikanische Republik über 30 Jahre zu leiden hatte, waren ihnen zum Verhängnis geworden. Nur eine Schwester überlebte: Dédè, die seither den Widerstand ihrer Schwestern lebendig hält. Der Mut der Mirabal-Schwestern gilt inzwischen als Symbol für Frauen weltweit, die nötige Kraft für das Eintreten gegen jegliches Unrecht zu entwickeln. Rund 20 Jahre später wird der 25. November ein internationaler Gedenktag: 1981, auf einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen würdigten die Teilnehmerinnen diese Frauen und riefen das Todesdatum der drei Frauen zum Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen aus.

In Aachen

Geschichte des Arbeitskreises "Gewalt gegen Frauen"

1989 wurde der Arbeitskreis "Gewalt gegen Frauen" vom Gleichstellungsbüro der Stadt Aachen, Frauen helfen Frauen e.V., dem Frauen- und Kinderschutzhaus Aachen (Sozialdienst katholischer Frauen e.V.) und dem Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V. gegründet.

Im September 1997 wurde das Frauenhaus des Kreises Aachen (Diakonisches Werk im Kirchenkreis Aachen e.V.) nach seiner Gründung ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises. 2000 schloss sich das Polizeipräsidium Aachen, Kommissariat Vorbeugung dem Arbeitskreis an. 2001 wurde der Arbeitskreis "Gewalt gegen Frauen" zum Fachausschuss im Frauenausschuß & FrauenNetzWerk e.V.

Der Fachausschuss verfolgt das Ziel, durch Öffentlichkeitsarbeit eine Enttabuisierung dieses Themas zu bewirken und einen wirksamen und umfassenden Opferschutz auf lokaler Ebene zu erreichen.
Wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Kooperation mit Institutionen, die mit dem Thema Gewalt gegen Frauen konfrontiert sind und mit dazu beitragen können, eine Strukturverbesserung im Opferschutz und im Bereich Prävention zu erzielen. Die Vernetzung dient der Verbesserung der Lebenssituation von physisch und psychisch misshandelten und bedrohten Frauen und Kindern.

Der Fachausschuss will die Gesellschaft darauf aufmerksam machen, dass Gewalt gegen Frauen immer noch alltäglich ist und in allen gesellschaftlichen Schichten, allen Kulturen und jedem Alter vorkommt. Er informiert die Öffentlichkeit über Ausmaß, Folgen und Hintergründe von Männergewalt gegen Frauen. Somit strebt der Fachausschuss die Beendigung von Männergewalt an und will die Täter in die Verantwortung nehmen.
Er engagiert sich für die zeitnahe konsequente Anwendung und Umsetzung bestehender rechtlicher Möglichkeiten. Darüber hinaus entwickelte er Konzepte im Anti-Gewalt-Bereich. In diesem Sinne werden viele Veranstaltungsreihen und Angebote organisiert, wie Fortbildungen für Berufsgruppen, Fachtagungen, Vorträge, Veröffentlichungen und Informationsmaterialien zu Gewaltthemen. Feststehende alljährliche Aktionstage sind der 8. März – "Internationaler Frauentag" - und der 25. November - Internationaler Tag "Nein zu Gewalt gegen Frauen". An diesen Tagen initiiert der Fachausschuss Veranstaltungen, Kampagnen, etc. zu Gewaltthemen.


Im September diesen Jahres ist vom Bundesministerium für Familie Senioren, Frauen und Jugend eine Studie zu "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" herausgegeben worden. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass auch heutzutage und selbst in Deutschland das Ausmaß der Gewalt, die Frauen erfahren, erschreckend hoch ist. So ergab sich bspw., dass von den befragten Frauen
40% körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides seit dem 16. Lebensjahr erlebt haben.
58% unterschiedliche Formen von sexueller Belästigung erfahren haben.
42% Formen von psychischer Gewalt wie systematische Abwertung, Demütigung, Ausgrenzung, Verleumdung, schwere Beleidigung, Drohung und Psychoterror erlebt haben.
25% Formen körperlicher oder sexueller Gewalt (oder beides) durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt haben.

Im Vergleich mit den in anderen europäischen Studien erhobenen Gewaltprävalenzen liegen die für Deutschland erfassten Werte im internationalen Vergleich im mittleren bis oberen Bereich.

Das Problem Gewalt gegen Frauen wurde zwar inzwischen erkannt, es fehlen aber tiefgreifende und wirkungsvolle Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalt an Frauen. Eine Begründung, warum diese fehlen, könnte im gesellschaftlichen Gewaltverständnis liegen: Gewalt an Frauen wird nicht als soziales Problem wahrgenommen. Das hat auch die nordamerikanische Wissenschafterin Donna Garske festgestellt.

Sie stellt sich die Frage, wie Gewalt an Frauen, ein real existierendes Problem zu einer von der Gesellschaft registrierten sozialen Tatsache wird. Nach der Erklärung von Smelser erfüllt ein „soziales Problem“ folgende Kriterien:


• Es muss für eine wichtige Institution dieser Gesellschaft bedeutsam sein.

• Wichtige Normen der Gesellschaft werden durch das Problem verletzt.

• Das Problem besteht in einem Verhalten, das als nicht erwünscht und abweichend identifiziert wird.

• Das Problem muss ein signifikantes Ausmaß haben.

• Es muss der Gesellschaft Kosten verursachen.

• Es muss ein Problem sein, das durch verschiedene Maßnahmen verändert und eliminiert werden kann.


Für Donna Garske erfüllt Gewalt gegen Frauen alle von Smelser aufgestellten Kriterien. Das dennoch tiefgreifende Maßnahmen zur Beseitigung des Problems ausbleiben, zeigt, dass die Interpretation eine politische Angelegenheit ist. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, welche Rechte die Gesellschaft Frauen zugesteht. Noch immer ist das Bild der Frau in der Gesellschaft von Vorurteilen geprägt. Frauen werden auf die Rolle der Hausfrau und Mutter reduziert (Mutterschaftsideologie). Die nach wie vor aufrechte bürgerliche Werthaltung führt dazu, dass auch Gewalt an Frauen nur dann thematisiert wird, wenn es zur Dysfunktionalität der Familie führt. Somit sind Änderungen in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung dringend nötig. Nur so kann ein tragfähiger gesellschaftlicher Konsens, der Gewalt an Frauen in keinem Fall rechtfertigt und toleriert, erreicht werden.

Quelle:

Fachausschuss Gewalt gegen Frauen in Aachen
Senatverwaltung für Wirrtschaft, Technologie und Frauen in Berlin
BIG  Bei häuslicher Gewalt gegen Frauen
Frauenprojekt    Studentinnen an FH und TH in Aachen
Frauennetzwerk Linz

 
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